Wo sind die sozialen Unruhen?

Immer wieder wird vor den sozialen Unruhen gewarnt, die auf uns zukommen könnten.
Immer wieder hört man Stimmen, die davor warnen, den Unmut, die Wut und das Potential der unzufriedenen Schichten nicht zu unterschätzen.

Ich habe weder Lust noch die Zeit mich mit ausufernden Studien darüber auszulassen, ich möchte nur kurz meine kleine subjektive Meinung darüber rauslassen.

Ich glaube nicht, dass „die“ sozialen Unruhen einfach kommen werden, bzw, dass diese Unruhen auch wirklich ihr systemüberwindendes Potential nutzen können.

Der Unmut immernoch in systemtragende Formen gepresst.

Das sieht man wohl am deutlichsten an denjenigen, die die Grenze zur systemüberwindenden Aktion/Form überschreiten. Sie werden als gewaltgeile Krawallouristen, als „erlebnisorientierte Randalierer“ abgestempelt… Die gibt es zwar auch wirklich, aber es ist ja nicht gesagt dass man bei seiner Revolution nicht tanzen kann ;-)
Aber diese Spaltung in gut/böse, Gewalt/keine Gewalt etc birgt wohl mehr die Gefahr, dass der Protest als „Ventil“ gesehen wird, und nicht die Dynamik zur Überwindung genutzt wird…

Außerdem sind die Menschen immernoch an den Kapitalismus gebunden, und zwar durch unsere Bedürfnisse. Diese Bedürfnisse sind uns von unserer Lebensform im der jetzigen Gesellschaft injiziert und reproduzieren sich selbst. Kaum jemand kann sich ein Leben ohne Luxus vorstellen, und man geht immer davon aus, dass mit dem Überwinden des Kapitalismus dieser Luxus wegfällt. Man muss sich aber vor Augen führen, dass wir statt der Quantität an Wegwerfgegenständen erst einmal eine neue Qualität von Luxus benötigen, die sich zuerst in der Qualität der Moral, der Freiheit und der persönlichen Entfaltung niederschlagen sollten.

Die Angst vor sozialen Unruhen wird dazu genutzt, die Repressionsorgane des Staates zu stärken. Dazu Steinmeier, (äh Steinmerkel) : „Ich glaube im Vergleich weltweit hat sich Politik in Deutschland durchaus handlungsfähig gezeigt“ Ja, im weltweiten Vergleich hat sich Deutschland als handlungsfähig gezeigt, inzwischen beobachten Amnesty international die Demonstrationen und sonstigen Menschenrechtsverletzungen und OSZE-Wahlbeobachter schauen ob die Wahl auch glatt läuft… „aber ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass wir auf schwere Monate zugehen werden, und dass wir die Menschen darüber auch nicht im Unklaren lassen dürfen“, damit will uns Steinmerkel sagen, dass wir noch nicht in den schwierigen Monaten sind (?! wo sind wir dann ?!), aber den Menschen schon einmal vom kommenden Sozialkahlschlag und den 1984 artigen Szenarien berichten dürfen…

„Ich glaube die sozialen Unruhen sollten wir nicht herbeireden, sondern wir sollen das was Politik tun kann auch tun, und entscheiden um uns dieser Krise entgegen zu stemmen“

Da wiederum hat er mal so richtig recht, wir sollten das Reden lassen, und „das was Politik tun kann auch tun, und entscheiden, um uns dieser Krise entgegen zu stemmen“, nur vielleicht nicht so, wie die „großen“ Politiker sich das vorstellen…


1 Antwort auf „Wo sind die sozialen Unruhen?“


  1. 1 blunez 15. September 2009 um 15:10 Uhr

    Wo Gewalt ein Ventil ist, gibt es auch einen Überdruck. Für einige Leute ergibt sich aus der Tatsache der Existenz des Überdrucks schon die Notwendigkeit, diesen als Dynamik zur Überwindung zu nutzen. Ob die folgende Aktion dabei immer am richtigen Punkt ansetzt sei mal dahin gestellt.

    Nun gut. Soziale unruhen. Zumindest hieße dies, dass größere Teile der Bevölkerung erkennen, dass nur die Überwindung dauerhaft den Druck beseitigt und nicht das Ventil – denn als anerkannte Ventile gelten wohl auch alle anderen Arten von Gewalt gegen sich selbst und andere. Was aber passiert, ist, dass sich jeder Depp über Amokläufer und S-Bahn-Schläger wundert.

    Ohne Einsicht keine Besserung?
    Ohne Besserung keine Einsicht?

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