Die antisemitische Weltverschwörung

Jah. Was für eine Woche. Ich habe mal wieder viel über Nationalismus gelernt. Zur Beseitigung der innerautonomen Grabenkämpfe beschäftigen wir uns eingehend mit der antinationalen cvontra marxistischen Rassismusdiskussion. Am Ende beider besuchten Veranstaltungen müssen wir dann leider einsehen, dass jetzt niemand so wirklich was mitgenommen hat. Vielleicht weil wir über ein und das selbe Problem reden, und uns dann wundern, wenn uns das Gerede der Lösung des Problems nicht näher bringt.

Wenn ich etwas nicht brauchen kann, sind es Leute, die außer Atem ans Mikro rennen und ihr Unverständnis kund tun, dass wir unsere Energie nicht in einen Krieg gegen den Iran investieren, weil dieser das Volk Israel atomar auslöschen will. Wie wärs wenn wir internationale antideutsche Brigaden aufstellen, die mit gekaperten Touribussen in den Iran reisen, und dort in unserer menschenfreundlich-zionistischen Manier versuchen Mullahs zu töten. Als ob wir wirklich die Möglichkeit hätten uns für eine Seite zu entscheiden, für einen Staat zu entscheiden, als antinationale Linke. Gesellschaftskritik beschränkt sich bei Manchen offensichtlich auf die Frage, welche Idioten den rot-grünen Antikriegskurs unterstützen.

Naja auf dem Podium lief die ganze Sache noch etwas theoretischer ab. Ob das gut oder schlecht war weiß ich auch nicht, aber zumindest wussten die Leipziger Genossen manchmal nicht so genau, wie sie ihr Blut-und-Boden-Modell im aktuellen Bezug so wirklich erklären sollen. Da wies man lieber darauf hin, dass wir ja auch das 2000ste Jubiläum der Varusschlacht feiern. Feiern Antideutsche das, um irgendwie Selbstbestätigung zu schöpfen? Wahrscheinlich nicht, aber mir kam es leider fast so vor und ansonsten fällt mir momentan niemand ein, der sich der Tatsache dieses Jubiläums überhaupt bewusst wäre. [edit: ok, 1:0 for you =( ]

Selbst wenn es da anderswo noch nachtrauernde Gestörte gibt. Ihnen vorzuwerfen, wie schlimm sie doch sind bringt uns sicherlich nicht weiter. Vielleicht denken wir über die Ursachen von Problemen nach, die Menschen in Verblendung aller Arten führen und gehen gegen sie vor. Leider standen die Damen und Herren von TOP Berlin da auch irgendwie auf verlorenem Posten. Man stellte zwar klar, dass die DDR es mit nichten wert war, ihr in irgend einer Weise nachzutrauern (Das ganze Ding stand im Kontext der Wendefeierlichkeiten). Als ein Gast jedoch das Kampagnenmotto „Die Revolution eine Farce“ anprangerte, stürzte man sich mit der anderen Seite zusammen auf das gefundene Fressen. Es wäre natürlich interessant zu wissen, in wie weit Nationalismus und Rassismus in der DDR verbreitet waren, jedoch konzentrierte man sich lieber auf den antideutschen Heimvorteil der „rassistischen Ausschweifungen“ nach der Wende. Gerade diese Ausschweifungen waren den Leipzigern übrigens Argument ihres „Deutschland is das schlimmste überhaupt“-Kurses genug. Achso, in Russland töten Nazis ständig Irgendjemand. Ähm naja vielleicht is das dort dann nich auf grund von Rassismus sondern wegen sozialen Ursachen?

Also, liebe Leute. Um das nochmal zusammen zu fassen. Wir sind nicht in Israel. Wir sind nicht in Palästina. Deutschland is jetz schon seit 20 Jahren noch mehr Deutschland. Dass das scheisse is, was auf der Welt geht und ging wissen wir. Lasst uns mal drüber reden, welche Form der Menschenfeindlichkeit denn hier so überwiegt, und ob wir diese Phänomene nicht anderswo auch finden. Menschenfeindlichkeit in viel banalerer Form, die sich reproduziert, ohne dass jemand mal über die Stränge schlägt und irgendein gesellschaftliches Tabu verletzt.

Ojeh. Jetzt noch auf den MCH-Kongress einzugehen sprengt mein alkoholgeschädigtes Bewusstsein. Ich sags mal so. Es gabe viele Spießer mit roten Schals, viel Werbung, viele dubiose Teilnehmerlisten und zumindest einen fähigen Referenten.