Dresden: Mitte – Extremismus – Gewalt

Ich möchte noch eine kleine Ergänzung zu blunez persönlicher Sicht schreiben.
Zum Thema Dresden bringen sich die meisten Medien eigentlich (unfreiwillig) in schönen Persiflagen auf den Punkt. Das ist wohl beste Beispiel, (Da sei lieber die schöne Zusammenfassung vom Roten Blog oder auch von Kulla empfohlen)aber alle bringen eigentlich 3 Punkte, zu denen ich mal kurz Stellung nehmen wollen.

„Durch Blockaden und Menschenketten blieb den Rechten nur eine Kundgebung“Der Tagesspiegel
Der Versuch die Menschenkette in Verbindung mit dem Blockieren des Aufmarsches in Verbindung zu bringen ist natürlich lächerlich. Ich möchte den Betroffenen der Bombardierung nicht das Recht absprechen, friedlich zu Gedenken. Aber ausgehend von einer Partei, die mit Koch und Konsorten eher am Rand des braunen Mobs zu verorten ist, ist das wohl reiner Zynismus. Und wenn man etwas genauer darüber nachdenkt, kommt man sogar zu dem Gedanken, Mitdglieder genau dieser Partei tragen Teile der Ideologie von „ganz rechts“ in „die Mitte“.
Zudem ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor eben das Image der Stadt. „Erst die weltweit verbreiteten Bilder eines ungestört durch die unmittelbare Innenstadt ziehenden Aufmarschs Tausender Nazis bewirkte offenbar ein Umdenken.“ (neues Deutschland) [Edit: Human Traffic hat dazu auch eine interessaante Perspektive eröffnet: “ Es bleibt jedoch die Frage: In wieweit hat sich die Masse an Antifas zu Handlangern der Bürger gemacht. “ ]

Die Gleichsetzung von Links- und Rechtsextremismus
Die Gleichsetzung von Extremismus aus allen Lagern liegt in der Natur des Staates.

Eine „extreme“ Position wird demgemäß als Rand im Verhältnis zur angenommenen Mitte, zugleich als Minderheit im Verhältnis zur derzeitigen Mehrheit und als Gegensatz zu deren politischer Orientierung und zur herrschenden Gesellschaftsordnung betrachtet […]
Der deutsche Verfassungsschutz definiert Extremismus in Form einer definitio ex negativo als „fundamentale Ablehnung des demokratischen Verfassungstaats“. – aus: Wikipedia

Extremismus ist eben relativ zum Staatssystem definiert. In einer fundamentalistisch-atheistischen Tyrannei wäre dann eben unsere „Mitte“ extremistisch. Dass im Moment verstärkt diese Gleichsetzung betrieben wird, lässt zwei Schlüsse zu:
Erstens: Leute, wie die Köhler (mit der wir übrigens noch viel Spaß haben werden – aber sie ist auch einfach ein super Feindbild ;-) ) nutzen die Mittel die sie haben um ihre politischen Gegner zu bekämpfen.
Und Zweitens: Ich fürchte die „Große Politik“ hat ihre Mitte nach Rechts verschoben.
Dass die Inhalte von Nasen und der undogmatischen Linken in Wirklichkeit nichts miteinander gemeinsam haben, brauche ich wohl nicht weiter auszuführen. Diese systematische Gleichsetzung ist schlicht Taktik.

Die Darstellung von gewalttätigen Auseinandersetzung als ein verrücktes Nebenprodukt verrückter Aussenseiter

„Außer einigen Schneebällen, die in Richtung Polizei flogen, blieb es den ganzen Tag weitgehend friedlich. Diejenigen Linksradikalen, die brennende Barrikaden bauten und Autos von Neonazis umkippten, konnten dies nur weitab von den friedlichen Protesten tun. “ – Die Zeit

Samstag, Königsbrücker Straße Ecke Bischofsweg: Ein Bus voller Nazis wird spontan blockiert. Die Nasen steigen aus, verdreschen die Blockierer und fahren unbehelligt weiter. Die Wanne mit Cops, die zum Zeitpunkt der spontanen Blockade direkt an der Kreuzung stand, hat spontan 20m zurückgesetzt.
5 Minuten später: Die linken Demonstranten werden von Robocops die Königsbrücker Straße entlang gehetzt um den Weg für den gleichen Bus frei zu machen. Man hatte in der anderen Richtung wohl keinen Parkplatz gefunden.
Nach meiner Wahrnehmung war hier der Ausgangspunkt der gewaltätigen Auseinandersetzungen.
Erstens: Wenn prügelnde Nazis von prügelnden Cops durch die Straße geleitet werden schäumt die Wut verständlicher Weise über.
Zweitens: Wären die Cops hier nicht beschäftigt worden, hätten sie wahrscheinlich genug Kapazitäten gehabt um einfach von Anfang an die Blockadepunkte freizuhalten. Es wäre wohl kein „polizeilicher Notstand“ aufgetreten.
Und mal ehrlich: Bürgerliche, gemäßigte, „gewaltlose“ Demonstranten brechen nur selten durch Polizeiabsperrungen durch.
Auch die friedlichen Demonstranten sollten selbstkritisch bleiben und sich fragen, ob sie die „gewalttätigen Linksextremen“ nicht brauchen.

Aber dennoch, finde ich durchaus, dass der Tag ein kleiner Erfolg war. Der Eventcharakter, den Dresden für die Nazis hatte, dürfte von nun an geringer sein. Aber Grund zum Zurücklehnen ist das nicht. Es bleibt ein lachendes und ein weinendes Auge

[Edit: Wie lächerlich und unfähig die „Mitte“ ist, zeigt sich sehr schön auch hier und da ]


0 Antworten auf „Dresden: Mitte – Extremismus – Gewalt“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>