Archiv der Kategorie 'capitalism'

nochma was zu leistung

edit:
uuuund das…

Der 1.Mai begann wiederholt sehr früh. Gegen 9:30 Uhr versammelten sich ca. 100 bis 150 GewerkschafterInnen im linksalternativ geprägten Stadtteil Connewitz und zogen von hier unter Klängen nostalgischer Arbeiterfolklore zum Augustusplatz (Innenstadt). Hier sollte das zentrale Fest der DGB Gewerkschaften stattfinden. Eine arbeitskritische Gruppe nahm dies zum Anlass, um sich kritisch mit dem diesjährigen Aufruf des DGB „Gute Arbeit“ auseinandersetzen. Unter dem Slogan „Gute Arbeit ist auch keine Lösung“ setzte mensch den GewerkschafterInnen eine symbolische und inhaltliche Ablehnung entgegen. Auf Höhe des DGB Volkshauses platzierten sich die DemonstrantInnen und begrüßten die arbeitsaffinen DGB’lerInnen mit Liegestühlen, Cocktails und einem Transparent „Proletarier aller Länder macht Feierabend“. Die Reaktionen waren hierbei durchaus gemischt, sie reichten von totaler Ablehnung („Ihr habt nichts verstanden!“) bis zu nachdenklicheren Tönen („Gute Arbeit ist im Kapitalismus nicht möglich“). Ziel der Aktion war eine arbeitskritische Intervention im Rahmen der Maifeierlichkeiten sozialdemokratischer und linker Gruppen/Organisationen.

Exklusiv:

Neuer Entwicklungshilfeminister entwickelt nun an Deutschland rum.

Wer die Weltwirtschaft verfolgt weiß genau: Wo die FDP und ihr Wirtschaftsmodell auftauchen, entwickelt sich alles wie von der unsichtbaren Hand Gottes gesteuert. Dessen Vertreter auf Erden ist nun „Dirk Niebel“.

Was die FDP unter Entwicklungshilfe versteht und für wessen Interessen sie eintritt wird bei den heutigen Aussagen schnell deutlich. Mit Steuererleicherungen hat die GroKo ihr politisches Repertoire schon ausgeschöpft, könnte man meinen. Neeeiiin. Wer hat denn immer Behauptet Entwicklungshilfe sei was für die Armen und Schwachen dieser Welt. Den Schritt, China die Entwicklungshilfe zu kürzen kann man ja verstehen, aber die Begründung „Armutsbekämpfung ist für Deutschland wichtiger denn je. Das heißt, unsere Mittel zu konzentrieren und wirksam dort einzusetzen, wo es am meisten Not tut“ ist etwas komisch. Naja. Und wo tut es am meisten Not? Wo es die lieben Wähler gibt und dort wo es Bildzeitungslesernationalisten gibt. =)

P.S.: Exklusiv²: Aufatmen in den Entwicklungsländern. FDP will Kolonialpolitik einschränken und sich nur noch auf Protektionismus beschränken.

Die antisemitische Weltverschwörung

Jah. Was für eine Woche. Ich habe mal wieder viel über Nationalismus gelernt. Zur Beseitigung der innerautonomen Grabenkämpfe beschäftigen wir uns eingehend mit der antinationalen cvontra marxistischen Rassismusdiskussion. Am Ende beider besuchten Veranstaltungen müssen wir dann leider einsehen, dass jetzt niemand so wirklich was mitgenommen hat. Vielleicht weil wir über ein und das selbe Problem reden, und uns dann wundern, wenn uns das Gerede der Lösung des Problems nicht näher bringt.

Wenn ich etwas nicht brauchen kann, sind es Leute, die außer Atem ans Mikro rennen und ihr Unverständnis kund tun, dass wir unsere Energie nicht in einen Krieg gegen den Iran investieren, weil dieser das Volk Israel atomar auslöschen will. Wie wärs wenn wir internationale antideutsche Brigaden aufstellen, die mit gekaperten Touribussen in den Iran reisen, und dort in unserer menschenfreundlich-zionistischen Manier versuchen Mullahs zu töten. Als ob wir wirklich die Möglichkeit hätten uns für eine Seite zu entscheiden, für einen Staat zu entscheiden, als antinationale Linke. Gesellschaftskritik beschränkt sich bei Manchen offensichtlich auf die Frage, welche Idioten den rot-grünen Antikriegskurs unterstützen.

Naja auf dem Podium lief die ganze Sache noch etwas theoretischer ab. Ob das gut oder schlecht war weiß ich auch nicht, aber zumindest wussten die Leipziger Genossen manchmal nicht so genau, wie sie ihr Blut-und-Boden-Modell im aktuellen Bezug so wirklich erklären sollen. Da wies man lieber darauf hin, dass wir ja auch das 2000ste Jubiläum der Varusschlacht feiern. Feiern Antideutsche das, um irgendwie Selbstbestätigung zu schöpfen? Wahrscheinlich nicht, aber mir kam es leider fast so vor und ansonsten fällt mir momentan niemand ein, der sich der Tatsache dieses Jubiläums überhaupt bewusst wäre. [edit: ok, 1:0 for you =( ]

Selbst wenn es da anderswo noch nachtrauernde Gestörte gibt. Ihnen vorzuwerfen, wie schlimm sie doch sind bringt uns sicherlich nicht weiter. Vielleicht denken wir über die Ursachen von Problemen nach, die Menschen in Verblendung aller Arten führen und gehen gegen sie vor. Leider standen die Damen und Herren von TOP Berlin da auch irgendwie auf verlorenem Posten. Man stellte zwar klar, dass die DDR es mit nichten wert war, ihr in irgend einer Weise nachzutrauern (Das ganze Ding stand im Kontext der Wendefeierlichkeiten). Als ein Gast jedoch das Kampagnenmotto „Die Revolution eine Farce“ anprangerte, stürzte man sich mit der anderen Seite zusammen auf das gefundene Fressen. Es wäre natürlich interessant zu wissen, in wie weit Nationalismus und Rassismus in der DDR verbreitet waren, jedoch konzentrierte man sich lieber auf den antideutschen Heimvorteil der „rassistischen Ausschweifungen“ nach der Wende. Gerade diese Ausschweifungen waren den Leipzigern übrigens Argument ihres „Deutschland is das schlimmste überhaupt“-Kurses genug. Achso, in Russland töten Nazis ständig Irgendjemand. Ähm naja vielleicht is das dort dann nich auf grund von Rassismus sondern wegen sozialen Ursachen?

Also, liebe Leute. Um das nochmal zusammen zu fassen. Wir sind nicht in Israel. Wir sind nicht in Palästina. Deutschland is jetz schon seit 20 Jahren noch mehr Deutschland. Dass das scheisse is, was auf der Welt geht und ging wissen wir. Lasst uns mal drüber reden, welche Form der Menschenfeindlichkeit denn hier so überwiegt, und ob wir diese Phänomene nicht anderswo auch finden. Menschenfeindlichkeit in viel banalerer Form, die sich reproduziert, ohne dass jemand mal über die Stränge schlägt und irgendein gesellschaftliches Tabu verletzt.

Ojeh. Jetzt noch auf den MCH-Kongress einzugehen sprengt mein alkoholgeschädigtes Bewusstsein. Ich sags mal so. Es gabe viele Spießer mit roten Schals, viel Werbung, viele dubiose Teilnehmerlisten und zumindest einen fähigen Referenten.

X-Haken

So, nach viel Rumgereise gibts bald Infos von diversen Kongressen und Nationalismus-Diskursen. Nun besinnen wir uns aber erstmal, warten darauf, dass wir die XP-Installations-CD an‘n Start bringen um endlich wieder dieses grässlige Windows 7 beseitigen zu können und lauschen den Worten des Herren.

Es war nur ein Haken bei der Sache, und das war der X-Haken. X besagte, dass die Sorge um die eigene Sicherheit angesichts realer, unmittelberer Gefahr als Beweis für fehlerloses Funktionieren des Gehirns zu werten sei. Orr war verrückt und konnte fluguntauglich geschrieben wergen. Er brauchte nichts weiter zu tun, als ein entsprechendes Gesuch zu machen; tat er dies aber, so galt er nicht länger mehr als verrückt und würde weitere Einsätze fliegen müssen. Orr wäre verrückt, wenn er noch weitere Einsätze flöge, und bei Verstand, wenn er das ablehnte, doch wenn er bei Verstand war, mußte er eben fliegen. Flog er diese Einsätze so war er verrückt und brauchte nicht zu fliegen; weigerte er sich aber zu fliegen, so mußte er für geistig gesund gelten und war daher verpflichtet, zu fliegen. Die unübertreffliche Schlichtheit dieser Klausel der X beeindruckte Yossarián zutiefst, und er stieß einen bewundernden Pfiff aus. „Das ist so ein Haken, dieser X-Haken“, bemerkte er.

Wer zur Zeit an Lektürenarmut leidet, dem sei „Catch 22“ empfohlen. Die Bombe.

Demnächst gibt’s dann was über lustige Antideutsche, also immer schön vorbeischaun. So viel sei vorweg genommen. Nicht nur die „jüdische Weltverschwörung“ ruft Abspacker aller couleur auf den Plan, nein, auch die „antijüdische Weltverschwörung“ scheint immer mehr zum Cosmopolitikum zu werden.